Mein Trauer-Blog

Gedanken und Artikel zum Thema Trauer

Mobirise

Innere Weisheit

In unserer heutigen Kultur steht die Eule für Weisheit. Auch bei den Griechen und Römern war der Kauz das Symbol für Weisheit. Die Indianer Nordamerikas betrachten die Eule als weise und sprachen ihr die Fähigkeit zu, Zukünftiges vorauszuahnen.
Da die Eule in der Dunkelheit gut sehen kann, wurde lange Zeit angenommen, dass sie mit seinen Augen Licht erzeugen kann und dieses durch die Augen nach außen dringt. Hier entstand eine Verbindung zum Licht der Weisheit, der einer weiser Mensch aus sich selbst schöpft - eine Übertragung auf die Eulenvögel lag nahe. 

Neben der Bedeutung als Weisheitsvogel ist die Eule bei den alten Ägypter ein Vogel der Finsternis und des Todes. Diese Bedeutung findet sich auch in der sumerisch-babylonischen Kultur, in der chinesischen und japanischen Tradition, bei den Etruskern und Mexikanern.

Ob Weisheit, Tod oder Dunkelheit: ich finde, dass die Eule ein besonderer Vogel ist und mich immer wieder fasziniert. Ihre Ruhe und Empfindsamkeit gegenüber Störungen ist bezeichnend. Sie lädt mich immer wieder ein, besinnlich zu werden und nach innen zu schauen, wo ich meine Intuition und Weisheit finde.
Schlussendlich ist meine innere Weisheit das, was mich effektiv und effizient leitet und der ich stets vertrauen kann. Ich finde sie nicht im Außen. Doch gebe ich ihr den großen, inneren Raum der Ruhe, dann kann ich mich ohne Anstrengung vertrauensvoll führen lassen. 

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Verwandlung durch Feuer

Ich erinnere mich an die Geschichte des brennende Dornbusch - Gott erteilt auf dem Berge Horeb dem Mose den Auftrag, das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Auf Moses Frage hin teilt ihm Gott dort auch seinen Namen JHWH mit.
Feuer hat etwas Magisches, Erdendes, Energetisierendes und Verwandelndes. Immer wieder bin ich begeistert von der geballten Kraft, die sich in Hitze, in Lodern und Knistern äußert. 
Ich liebe Rituale mit Feuer: Erinnerungen, Worte, Wünsche, Sorgen oder Hoffnungen werden dem Feuer übergeben. Sie verpuffen nicht einfach, nein. Stattdessen entstehen Flammen, Hitze, Energie und schlussendlich eine wertvolle, fruchtbare Asche. Diese bildet den Nährboden für Neues, für die verwandelte Energie.
Die Redewendung "wie Phönix aus der Asche" beschreibt den Neuanfang nach einem großen Verlust und steht in ihrer Bedeutung für Auferstehung, das Wissen über den Tod und das ewige Leben. 

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Zersplitterung

Eine Teilnehmerin in einem meiner letzten Seminare sagte: "Ich fühle mich so, als hätte man mir einen Teil meines Selbst raus gerissen, als mein Mann starb."
Ein wichtiger Teil im Leben ist weg gebrochen, ja, aus dem Leben raus gerissen worden. Dies passiert oft bei plötzlichen Toden, auf die man sich nicht vorbereiten konnte. Gewachsene Strukturen, auf die man sich eingestellt hat oder die man entwickelt hat, greifen dann nicht mehr: die Rolle als Partnerin fällt weg, der in Finanzdingen versierte Mann und eine emotionale Stütze fehlt, der Opa kann Enkel nicht mehr begrüßen, der Vater als Ratgeber und wohlmeinender Begleiter wäre jetzt so wichtig.
Es fühlt sich wie eine Bruch, ein Riss, wie eine kleine Katastrophe an. Es wird nicht mehr so sein, wie zuvor - so langsam wird es klarer und es tut unendlich weh. Der zersplitterte Baum als Sinnbild - er wird nicht mehr heilen.

Der Enkelsohn der oben genannten Teilnehmerin sagte  zu ihr: "Oma, wir pflanzen einen Baum für Opa". 
Manchmal sind Worte von Kindern wie tiefe Weisheit. Das Enkelkind hat dies in schöpferischen Worten benannt: es geht nur mit Neuanfang. Jeglicher Versuch, die alte Situation mit Gewalt wiederherzustellen, misslingt. Aber der Neuanfang ist ein vielversprechender Versuch ....... auch wenn er Zeit, Mühe und Pflege kostet.

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Verwöhnstunden

Ich warte auf meinen Partner, der mich in den Arm nimmt. Wo ist das wunderbare Essen, das meine verstorbene Frau auf den Tisch zauberte? Warum höre ich nicht mehr die einzigartige, kraftvolle Stimme meiner Tochter am Telefon? Es war so schön, mit meinem verstorbenen Kollegen in der Teeküche einen Kaffee zu trinken .......
Zeiten, die einmal waren. Zeiten, die genau so nicht wieder kommen. Es ist Zeit für neue Rituale, für neue Schönheiten des Alltags, für neue herzerwärmende Erlebnisse.Nur wie?
Oft habe ich erlebt, dass wie aus dem "Off" etwas Neues, unerwartet Schönes und Tragfähiges kam: ein Brief einer Schulfreundin, eine regelmäßige Einladung zum Fußballabend durch einen Kollegen, ein Grillfest im Garten der Nachbarn, etc. Und ich lernte: auch ich selbst muss mich verwöhnen, mit gutem Essen, einem leckeren Kaffee, einem kurzen Wellness-Urlaub .....
Es war so anders als früher und anders als erwartet - aber es kam. Und oft kam es in Momenten, in denen ich es nicht erwartete. Ich öffnete immer mehr, und seither sehe ich sie wieder: die vielen Gelegenheiten zu Verwöhn-Stunden im Alltag. Ich habe mir fest vorgenommen, sie mehr als früher zu nutzen .......

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Labyrinth - Weg zu meiner Mitte

Der Weg durch ein Labyrinth führt in Windungen und Wendungen um die Mitte, nähert sich ihr an, entfernt sich wieder, bis wir schließlich das Zentrum erreichen.
Ich mag dieses uralte Symbol und Urform, die fast überall auf der Welt gefunden wurden.
In der Trauer geht es schließlich um nichts anderes: einen Weg gehen, einfach gehen, laufen und immer wieder Vertrauen haben, dass der Weg in etwas "Gutem" endet. Manchmal wähnt man sich dem eigenen Glück und Wohlgefühl näher, dann entfernt man sich wieder und eine Durststrecke schließt sich an. Aber Stück für Stück, fast unmerklich, und zweifellos führt dieser Weg dann zu meiner "Mitte", "Heimat", "mir selbst", oder wie immer man dieses Gefühl auch nennen mag. Ein Nachhause-Kommen, in dem ich mich mit mir selbst und dem Allumfassenden verbunden fühle .......  

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Japanische Kirsche vor meinem Arbeitszimmer

Kirschblüten

In diesem kühleren Frühjahr 2021 kam der Genuss etwas später: der Anblick der Japanischen Kirche vor dem Fenster meines Arbeitszimmers: sie beginnt bei wärmeren Frühlingstagen üppig zu blühen und entfaltet ihre Pracht dann für wenige Tage. Ich genieße es, wenn die Kirsche fast in mein Zimmer hinein ragt und mich schon morgens mit ihren Blüten begrüßt.....
Im Gegensatz zur heimischen Kirsche trägt die Japanische Kirsche keine essbaren Früchte. Sie kommt überwiegend in Japan vor und ist bei dem japanischen Brauchtum – Hanami - „Blütensehen“ mit dem Kirschblütenfest einige Tage ganz im Mittelpunkt allgemeiner Aufmerksamkeit. Sakura, die Kirsche, ist nationales Symbol der Japaner. Das Vergehen der Blüten auf ihrem Höhepunkt wird mit jungen Kriegern oder Samurai verglichen: weil sie ohne zu zögern lautlos und rein fallen, noch bevor sie verwelken, sieht der Japaner in ihnen ein Symbol japanischer Mannestugend. Auch ein Samurai musste klaglos sein Leben hingeben.
Wer den Film „Kirschblüten“ (aus dem Jahr 2007, mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner) mal gesehen hat, kann die japanische Kultur im Rahmen einer berührenden und tragikomischen Liebesgeschichte erleben: ein Witwer beginnt das Leben mit neuen Augen zu sehen und reist von Deutschland nach Japan, um die unerfüllten Träume seiner Frau zu finden. Bewegend und sehenswert! 

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Fluss des Lebens

Ich stehe mitten im Bach. Das Wasser umspült meine Wanderschuhe. Ich genieße das Empfinden, trockene Füsse zu bewahren und dem kalten Wasser trotzen zu können und zugleich Teil dieses Bachbettes zu sein. 
Nach einen längeren Regenguss wäre ein solches Bild nicht vorstellbar. Wassermassen würden durch diese kleine Schlucht rasen, ich müsste schauen, dass ich Land und Höhe gewinne.
In ruhigen Zeiten sind solche Wasserläufe ungefährlich. Ich kann sie genießen und eintauchen in die Schönheit.
In unruhigen Zeiten - wie nach großen Schicksalsschlägen oder in großer Trauer - können dieselben Wasserläufe mich in ungeahnte schwierige Situationen bringen. Es ist ähnlich der brachialen Gefühle, die in der Trauerzeit manchmal auftreten.
Um der Gefahr der Wucht des Wassers und ggf. mitgerissener Gegenstände zu entgehen, trete ich aus dem Bachbett aus und schaue lieber als entfernter Beobachter zu. Ich schaue aus der Haltung und Gewissheit zu, dass alles, auch das Neue und Wütige, vorbei zieht und mich nicht gefährden kann, sofern ich mich nicht hinein ziehen lasse. 
Die Wogen der Trauer kann ich ebenso an mir vorbei ziehen lassen. Ich muss nicht in alles eintauchen. Stattdessen schaue ich zu und bleibe ruhig - alles geht vorbei, schneller oder langsamer und beruhigt sich nach gewisser Zeit. Dann kann ich wieder ins Bachbett hinab gehen und das Leben in Ruhe um meine Füße fließen lassen.

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Blick frei!

Ein Tag im Winter: die Bäume sind kahl, der Blick unverstellt auf die Landschaft. 
Manchmal hätte ich mir in meiner Trauerzeit auch einen freien Blick gewünscht. Oft schien mir, alles wäre vieles nur dicht, trübe, neblig, wie eine Wand. Meine Freunde und meine Familie zählten mir auf, was trotz des Todes meiner Frau alles gut liefe, die Kinder sich gut entwickeln würden, etc.. Manchmal konnte ich das auch sehen, aber zu anderen Zeitpunkten kam ich aus meinem verstellten Blick nicht raus. Doch fast unmerklich zog ich Menschen an, die mir die positiven Seiten des Lebens aufzeigten. Es tat so gut, Zuspruch und Lob zu hören, obwohl ich es manchmal oberflächlich und nicht ganz zutreffend fand. Aber: es tat gut. Und mit der Zeit, ganz allmählich und ganz sanft, wurde der Blick klarer: ich konnte wieder das Gute im Leben, das Licht am Himmel immer mehr sehen. Ich bin so dankbar um die Menschen, die mir in diesen schwerer Zeiten fast gebetsmühlenartig gut zuredeten.

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Die Bürde auf meinen Schultern

Beim Vorbeilaufen habe ich mich gefragt, ob ich mich mit ruhigem Herzen auf die Bank unter diesem Baum setzen möchte. Etwas mulmig wäre mir schon dabei, wenn ich mir überlege, wie viele hundert oder tausend Kilogramm Baum- und Steinmasse in ausgehöhlter Form über mir "schweben" würden. Doch offenbar hält das Konstrukt aus Baumwurzeln und ausgewaschenem Bundsandstein das Gewicht des Baums.
Ich erinnerte mich an die Zeit der tiefen Trauer, in der ich eine solche Last, wie hier in Form des Baums überhängendem Wurzelwerk, auf meinen Schultern spürte. Immer wieder fragte ich mich, wie lange ich den Schmerz, die alleinige Verantwortung für die Kinder und die Finanzen, die einsamen Entscheidungen und die dauernde Überlastung meines Körpers mit wenig Schlaf überstehen würde. Wenn würde ich überspült werden von der Last? Wäre eine Reha das richtige Mittel, um der Last zu entfliehen? Sollte ich mir Hilfe holen, und wenn ja, welche?
Nach den vielen Jahren seitdem habe ich 2 Sachen für mich erkannt: ich war resilienter und belastungsfähiger als ich dachte. Und: wenn ich auf die positiven Entwicklungen in meinem Leben (wieder) vertraue, geht vieles einfacher und ich entlaste mich damit selbst.
Ja, ich würde mich heute mit Vertrauen auf die Bank unter diesen Baum setzen. 

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Schneewechten in den Allgäuer Alpen

Welle der Trauer

Bei der letzten Tour durchs Allgäu bin ich an einer Reihe von Schneewechten vorbei gelaufen. Abgesehen davon, dass sie nicht ganz ungefährlich sind, finde ich sie immer faszinierend. Im Grunde sind Wechten nichts anderes als verwehter und komprimierter Schnee, der sich auf der windabgewandten, oft steileren Seite eines Grates bildet. Der gebildete Wechtenkeil - als labile Schneeablagerung - ist dabei gerne Ursache für Lawinenabgänge.
In der Trauer erlebe ich - sinnbildlich gesprochen - manchmal ähnliche Szenen: es hat sich Trauer aufgestaut, sie "hängt gefährlich über" und nur die Kompaktheit und auch Eingefrorenheit hält sie scheinbar stabil. Taut der "Trauerblock" auf, so fließt die Trauer ab, aber sie kann ebenso unkontrolliert eine Flut an Emotionen auslösen. Dies wiederum kann Angst machen.
Es ist für uns Menschen so wichtig, unsere Gefühle wie Trauer, Angst, Sorgen, Wut, etc. immer wieder wahrzunehmen und fließen zu lassen. Eine Stauung und eine Komprimierung unserer Gefühle und deren plötzliche und überwältigende Entladung werden dadurch vermieden, zu unseren Gunsten und zu Gunsten anderer. Dies verlangt Bewusstsein dafür, aber auch Übung darin. 

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Vollmond

Jeden Monat ist Vollmond. Es ist eine besondere Zeit, in der helles Licht am sonst dunklen Nachthimmel herrscht. Es folgt die Zeit des abnehmenden Mondes, in der wir uns für die nächsten knapp 2 Wochen befinden.
In einer dunklen Zeit wie der Trauerzeit bin ich um jedes Licht froh, das mich führt und Sicherheit gibt. Wie der helle Mond, so kann ein netter Mensch, ein schönes Ambiente, ein erholsamer Tag im Schwimmbad, ein Treffen unter Freunden die Sonne herein bringen.
Derzeit machen uns die Corona-Einschränkungen manche Möglichkeit, Licht und Wärme zu spüren, einen Strich durch die Rechnung. Es ist, als ob der Mond nur mit halber Kraft am Nachthimmel scheinen würde oder durch Wolken verdeckt ist. Und dazu kommt bildlich, dass der Mond derzeit abnimmt und weniger Licht spendet.
Doch stimmt das?
Dass der Mond abnimmt, ist nur eine spezielle Perspektive auf den Mond von der Erde aus. Der Mond läuft in seiner 4-wöchigen Umlaufbahn um die Erde in einen Teilschatten, und an Neumond in einen Vollschatten der Erde. Doch der Mond ist de facto stets da – er läuft nicht weg oder entfernt sich. Er ist stets in seiner vollen Größe in der Umlaufbahn der Erde – nur der Blick auf ihn, mit Hilfe der Sonne, verändert sich.
Sonne, Mond, die Sterne sind stets um uns herum, sie bleiben. Was wir sehen, ist allerdings dynamisch: Tag, Nacht, die Sonne und der Mond bewegen sich unterschiedlich hell am Himmel.

Was heißt das für uns Trauernde?
Wir machen uns unser Weltbild anhand dessen, was wir sehen. Doch was wir sehen, ist nicht die ganze Wahrheit. Die Wahrheit ist viel umfassender, viel größer, und vor allem, immer da. Und so kommt mir immer wieder die Erkenntnis und Gewissheit: ich bin nie allein. Und ich bin mir sicher: meine verstorbene Frau ist auch stets bei mir. Aber meine Sinne lassen nur manchmal zu, dass ich sie wahrnehme.
Wie schade, denke ich …… ich sollte meiner engen Wahrnehmung nicht zu viel Glauben schenken.

Auf dem Weg

Matthias Kopp Lebens- und Trauerbegleitung

Ich dachte früher oft darüber nach, wie mein Weg wohl aussehen würde. Ein Lebensweg – was wird er an Tollem und Erfolgreichem, an Glück und Freude bringen?
In jungen Jahren denkt man nicht an Leid, Trauer, Verlust, Sorgen. Doch in späteren Jahren ist der Lebensweg gezeichnet von manch unerwarteten Schicksalsschlägen.
Und trotzdem ist es unser eigener Weg. Das, was bleibt, ist unseren Weg bewusst zu gehen. Mutig. Nicht aufgebend. Schritt für Schritt. Denn der Weg bietet auch immer wieder Schönes, Unvorhergesehenes, Freudvolles, das man nicht erleben würde, wenn man den eigenen Weg nicht gehen würde.

Aurelius Augustinus sagt:
„Bedenke: Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir.
Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken, aber nicht, um aufzugeben“

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Entwurzelung

Diesen umgefallenen, entwurzelten Baum sah ich gestern auf einer Wanderung durch den weglosen Wald. Irgendwie fand ich diese Szene sinnbildlich für dieses Jahr 2020, in dem viele Menschen persönliche Krisen erlebten. Was erschwerend dazu kam, war, dass eine Krisenbewältigung in Gemeinschaft durch die Kontaktverbote deutlich erschwert wurde. Exemplarisch seien die Besuchseinschränkungen in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Hospizen genannt, vor allem bei Menschen, die vor dem Tod standen und von denen ein persönlicher Abschied durch die Besuchsverbote nicht möglich war.
Mir macht das Bild aber auch Mut. Der umgefallene Baum fällt mit der Spitze auf die andere Seite des tief eingeschnittenen Grabens, so als wolle er verbinden, neue Wege ermöglichen und sagen: "kommt rüber zu neuen Ufern".
Ich vertraue darauf, dass wir aus der jetzigen Krise mit anderen Perspektiven raus gehen und Neues mutig wagen. Ich vertraue darauf, dass wir selbst viele Ressourcen haben (mehr als wir denken), die uns in Trauer und Krisen dazu befähigen, diese zu durchstehen. Und ich vertraue darauf, dass wir in Gemeinschaft zu anderen Menschen und zum Göttlichen immer wieder die Hoffnung auf ein Weitergehen im Leben erneuern können. 

Tod: die Welt geht unter

Heute ist der 21.12. – Winteranfang. Ich könnte darüber schreiben, jedoch möchte ich euch eine andere Geschichte erzählen.
Ihr könnt euch vielleicht an den 21.12.2012 erinnern. Schon Monate im Voraus wurde der Weltuntergang vorher gesagt. Dies beruhte auf einem (von mehreren) Kalendern der Maya, der am 21.12.2012 endete, woraus geschlussfolgert wurde, dass die Maya damit auf das Ende der Welt hindeuten wollten.
Auch im Kino wurde dieses Ereignis apokalyptisch vor Augen geführt: im Endzeitspektakel „2012“ von Roland Emmerich stand der uralte Kalender der Maya im Mittelpunkt und Hollywood machte daraus das Ende der Welt.
Unser Sohn Julian, damals 16 Jahre alt, war mit seinen Schulfreunden fasziniert von diesem Spektakel. Er schrieb in großen Lettern das Wort „Weltuntergang“ in unseren Familienkalender am Tag 21.12.2012. Ich weiß noch gut, wie sich meine Frau gewaltig aufregte und echauffierte und verlangte, dass dieser Eintrag umgehend gelöscht würde (was dann auch getan wurde).
Ironischerweise und bezeichnenderweise starb meine Frau dann am 21.12.2012.
Ihr Tod kam – trotz der Gewissheit, dass er anstand – doch schnell und plötzlich. Es war für mich und meine 3 Kinder wie ein kleiner Weltuntergang. All die Träume von einer gemeinsamen Zukunft mit heranwachsenden und flügge werdenden Kindern, von einer schönen Oma-und-Opa-Zeit, mit unseren Reiseplänen – all das war schlagartig vorbei. Und das so zu uns passende Familienleben ebenso.
Mit den Jahren habe ich erkannt, dass die Welt doch nicht unter ging. Die alte Welt lebte nicht mehr so, wie sie war, aber in abgewandelter Weise weiter. Andere Welten haben sich mir offenbart, für die ich so dankbar bin. Sie haben mir so sehr neue und auch wunderschöne Aspekte des Lebens gezeigt.
Ich fragte mich heute: warum hat sich meine Frau damals so sehr über den Kalendereintrag aufgeregt und dessen Löschung verlangt? Angenommen, dass jeder eine Vorahnung von seinem eigenen Todeszeitpunkt hat, war diese Reaktion eine innere Weigerung, diesem Tag ins Auge zu schauen? Vielleicht. Aber vielleicht war es auch ihre kraftvolle Weigerung gegenüber dem Gedanken, dass die Welt untergehen würde. So nach dem Motto: „hört mit diesem Blödsinn auf! Auch wenn ich aus eurer Welt gehe: eure Welt geht weiter!“
Heute früh war ich mit meinen Kindern am Grab meiner verstorbenen Frau. Danach ging der älteste nahtlos zur Arbeit, die andere an den Studien-Schreibtisch und die dritte in den Online-Unterricht. Nichts mehr hätte mir aufzeigen können: deren Welt geht weiter. Sie machen ihre Erfahrungen in ihrer Welt – ohne die alte zu verleugnen.
Weltuntergänge, die Schicksalsschlägen folgen, haben auch immer Weltaufgänge als Folge. Ich wünsche euch, dass ihr eure Weltaufgänge immer aktiv erleben und mitgestalten könnt.

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Langlaufloipe auf der Schwäbischen Alb

In der Spur

Skisport ist ein großes Hobby von mir. Meine Eltern sind schon früh mit uns Skifahren gegangen und in meiner Jugendzeit hat unser Vater mich und meinen Bruder in die "Geheimnisse" des Skitourengehens im Hochgebirge eingeführt. Die dort erlebte Freiheit und Eigenverantwortung haben mich sehr geprägt. Das Wilde und Freizügige, aber auch die Vorsicht und Weitsicht, die man an den Tag legen musste, waren faszinierend. Skifahren auf der Piste war seither immer nur zweite Wahl.
Beim Skilanglauf würde ich ebenso gerne querfeldein gehen. Doch ist dies sehr kraftzehrend und nervenaufreibend. Die gespurte Loipe bietet Halt, Führung und Geschwindigkeit. Wie mühsam ist dagegen das Selber-Spuren .....
Mich erinnert dies sehr an meinen Trauerweg. So klar mir von Anfang an war, dass ich diesen Weg selbst gehen musste, so sehr war ich um Führung und "ausgetretene Wege" froh: Menschen, die bereits vor mir den Weg gelaufen sind und mir eine gute Richtung und Führung geben konnten. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Menschen in meinem Leben getroffen habe.

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